Wie groß sollte dein Notgroschen sein?
Die Verbraucherzentrale empfiehlt als Faustregel zwei bis drei Monatsgehälter als Rücklage für Notfälle. Angestellte mit sicherem Job und ohne Kinder kommen oft mit der unteren Grenze aus, Selbstständige, Alleinverdienerinnen und Familien mit Kindern sollten eher Richtung vier bis sechs Monatsausgaben planen. Das Geld gehört auf ein Tagesgeldkonto, nicht ins Depot, du musst im Ernstfall sofort und ohne Kursrisiko darauf zugreifen können.
Die Faustregel: zwei bis drei Monatsgehälter
Die Verbraucherzentrale rät als Grundregel zu einem Puffer von zwei bis drei Monatsgehältern, der auf einem jederzeit verfügbaren Konto liegt. Das ist bewusst ein Richtwert, keine feste Formel, weil sich Lebenssituationen stark unterscheiden. Zwei Fragen helfen dabei, die Zahl für dich persönlich einzuordnen: Wie planbar sind deine Ausgaben, und wie schnell könntest du im Ernstfall wieder an Einkommen kommen?
Wann du eher an der oberen Grenze planen solltest
Bestimmte Situationen sprechen dafür, näher an drei Monatsgehältern oder sogar darüber zu liegen, statt an der unteren Grenze:
- Selbstständigkeit oder befristete Anstellung. Ohne Kündigungsfrist oder mit unregelmäßigem Einkommen ist die Zeit bis zum nächsten sicheren Geldeingang schwerer vorherzusagen.
- Alleinverdienerinnen und Alleinerziehende. Fällt das einzige Einkommen im Haushalt aus, gibt es kein zweites Gehalt, das die Lücke zumindest teilweise auffängt.
- Kinder oder andere Personen, für die du finanziell verantwortlich bist. Die laufenden Fixkosten sind höher und schwerer kurzfristig zu senken.
- Eigentum statt Miete. Reparaturen an der eigenen Immobilie, etwa an Heizung oder Dach, lassen sich selten aufschieben und sind oft teurer als erwartet.
Wer dagegen unbefristet angestellt ist, keine Unterhaltspflichten hat und in einem Haushalt mit zwei Einkommen lebt, kommt häufig auch mit der unteren Grenze von zwei Monatsgehältern gut zurecht.
Monatsgehalt oder tatsächliche Ausgaben: was ist die bessere Bezugsgröße?
Die Verbraucherzentrale nennt das Monatsgehalt als einfachen Ausgangspunkt, weil sich diese Zahl fast jeder sofort ausrechnen kann. Genauer ist es, die eigenen monatlichen Fixkosten als Grundlage zu nehmen, also das, was im Ernstfall tatsächlich gedeckt werden muss: Miete, Nebenkosten, Versicherungen, Lebensmittel, laufende Verträge. Verdienst du deutlich mehr, als du monatlich ausgibst, weil du bereits einen Teil investierst oder sparst, ist dein tatsächlicher Bedarf im Notfall oft kleiner als drei volle Monatsgehälter, weil du diese Sparrate im Ernstfall ohnehin zuerst pausieren würdest.
Wofür der Notgroschen eigentlich da ist
Ein Notgroschen ist kein allgemeiner Sparpuffer für Wünsche, sondern eine Rücklage für unvorhergesehene, echte Notfälle: eine defekte Waschmaschine, eine unerwartete Autoreparatur, ein plötzlicher Zahnarztbesuch außerhalb der Kassenleistung, oder eine Zeit ohne Einkommen zwischen zwei Jobs. Eine geplante Anschaffung wie ein neues Auto oder eine Urlaubsreise gehört nicht hierher, dafür legst du gezielt separat zurück, dazu mehr in Welches Geld solltest du investieren, und welches nicht?.
Wo der Notgroschen liegen sollte
Die wichtigste Eigenschaft für diese Rücklage ist nicht Rendite, sondern sofortige, kursrisikofreie Verfügbarkeit. Ein Tagesgeldkonto erfüllt das am besten: Du kommst werktäglich ohne Kündigungsfrist an dein Geld, und es fällt unter die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € pro Person und Bank. Ein Depot mit ETFs eignet sich dafür ausdrücklich nicht, selbst ein breit gestreutes Investment kann genau dann im Minus stehen, wenn du das Geld dringend brauchst, und du wärst gezwungen, zum ungünstigsten Zeitpunkt zu verkaufen.
Wie du dort hinkommst, wenn der Puffer noch fehlt
Fang mit einem festen, automatischen Betrag an, der direkt nach dem Gehaltseingang auf ein separates Tagesgeldkonto wandert, so wird Sparen zur Gewohnheit statt zu einer Entscheidung, die du jeden Monat neu triffst. Steht dein Notgroschen noch nicht vollständig, hat der Aufbau dieser Rücklage Vorrang vor dem Einstieg ins Depot, nicht weil Investieren unwichtig wäre, sondern weil ein fehlender Puffer dich im Ernstfall zwingen könnte, ein Investment zur Unzeit aufzulösen.
Was das für dich bedeutet
Rechne dir einmal konkret aus, wie viel zwei bis drei deiner Monatsgehälter tatsächlich sind, das ist dein grober Zielwert. Lebst du allein, bist selbstständig oder hast Kinder, plane eher Richtung vier bis sechs Monate. Bis dieser Betrag auf einem Tagesgeldkonto liegt, geht der Notgroschen vor dem Sparplan, danach kann jeder weitere Euro in den Sparplan-Rechner fließen, den du für deine eigene Situation durchrechnen kannst.