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Fig. 03 · Die Lücke

27 % vs. 43 %: Warum Frauen seltener in Aktien investieren

27 % der Frauen in Deutschland besitzen Aktien, bei Männern sind es 43 % (Markt- und Depotstudien, 2025). Gleichzeitig erzielen Frauen im Schnitt die bessere Depot-Performance, sobald sie investieren. Die Lücke ist eine Frage der Beteiligung, nicht der Fähigkeit.

8 Min · Aktualisiert 7. September 2026

Die Zahlen

27 % der Frauen in Deutschland besitzen Aktien, bei Männern sind es 43 %. Bei ETFs ist die Bewegung dafür bemerkenswert: Der ETF-Anteil in Frauen-Depots stieg von 2021 bis 2025 um 13 Prozentpunkte auf 35,9 %, bei Männern um 9,5 Punkte auf 30,2 %. Die Zahl der Frauen, die in ETFs investieren, wuchs im selben Zeitraum von 245.000 auf 581.000, ein Plus von fast 140 %. Fast drei Viertel aller Sparpläne von Frauen laufen mittlerweile auf ETFs, bei Männern sind es rund zwei Drittel.

Die Lücke zeigt sich noch deutlicher beim tatsächlichen Vermögen: Frauen haben im Schnitt rund 35 % weniger Kapital investiert als Männer, 69.200 € gegenüber 109.000 €. Ein Grund dafür ist die Sparrate: Frauen legen im Schnitt 3.900 € im Jahr zurück, Männer 5.500 €. Das erklärt einen Teil der Lücke, denn wie viel am Ende zusammenkommt, hängt eben auch davon ab, wie viel monatlich übrig bleibt, um es überhaupt zu investieren.

Der Trend zeigt trotzdem klar nach oben, und zwar schneller als bei Männern: 2025 kamen laut Deutschem Aktieninstitut rund 1 Million neue Aktionärinnen dazu, ein Plus von 24 % gegenüber dem Vorjahr, bei den Männern waren es 940.000 neue Aktionäre, ein Plus von 12 %. Am stärksten bewegt sich das bei jungen Frauen: Der Anteil investierender Frauen zwischen 18 und 25 Jahren stieg um 8,5 Prozentpunkte auf 42,0 %, bei den 26- bis 35-Jährigen um 7,6 Punkte auf 37,1 %.

Frauen sind nicht schlechter, sie sind seltener dabei

Hier wird es interessant: Bei der Depot-Performance liegen Frauen zwischen 2021 und 2025 mit durchschnittlich 33,6 % knapp vor Männern mit 31,4 %. Auch in schwierigen Marktphasen zeigt sich das: Während des Kurseinbruchs 2022 fielen die Verluste in Frauen-Depots im Schnitt 2,5 Prozentpunkte geringer aus als bei Männern. Die Lücke entsteht also nicht, weil Frauen schlechtere Entscheidungen treffen, sobald sie investieren. Sie entsteht, weil weniger Frauen überhaupt anfangen.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Die Geschichte, die man oft hört, dass Frauen vorsichtiger, risikoscheuer oder weniger geeignet für den Kapitalmarkt seien, hält den Zahlen nicht stand. Die tatsächliche Lücke liegt vor dem ersten Trade, nicht danach.

Warum trotzdem so wenige einsteigen

Ein Teil der Antwort ist kulturell: Sparbuch und Tagesgeld gelten in Deutschland traditionell als "der sichere Weg", während Aktien und ETFs oft als etwas für andere Leute wahrgenommen werden, für Menschen, die es sich "leisten können, Risiken einzugehen", oder die es "schon verstehen". Diese Wahrnehmung trifft Frauen statistisch häufiger als Männer.

Die Realität ist unspektakulärer: Ein globaler Indexfonds-ETF-Sparplan erfordert kein Vorwissen, das man sich erst mühsam aneignen muss, bevor man anfangen darf. Die Daten oben zeigen, dass die Frauen, die diesen Schritt machen, ihn im Schnitt genauso gut oder besser hinbekommen als Männer.

Der stärkste Hebel: früh anfangen

Bei alldem geht oft unter, was beim Investieren eigentlich den größten Unterschied macht: nicht wie viel du sparst, sondern wie früh du anfängst. Durch den Zinseszinseffekt wächst nicht nur dein eingezahltes Geld, sondern auch die Erträge darauf wieder mit, Jahr für Jahr. Über Jahrzehnte macht dieser Vorsprung einen Unterschied, der sich später kaum noch durch höhere Sparraten aufholen lässt.

Ein einfaches Beispiel zeigt das: Wer mit 25 anfängt, monatlich einen festen Betrag in einen ETF-Sparplan einzuzahlen, hat mit 65 deutlich mehr angespart als jemand, der erst zehn Jahre später startet und dafür jeden Monat spürbar mehr einzahlt, selbst wenn diese Person am Ende insgesamt mehr eigenes Geld eingezahlt hat. Die zehn Jahre Vorsprung wiegen mehr als die höhere monatliche Rate, weil der Zinseszins zehn Jahre länger arbeiten konnte.

Genau das ist der Grund, warum der Zeitpunkt des Einstiegs oft wichtiger ist als die perfekte Anlagestrategie oder der perfekte Moment. Warten, bis man sich sicherer fühlt, kostet in aller Regel mehr, als früh mit wenig anzufangen. Wie stark sich der Zinseszinseffekt für deine eigene Situation auswirkt, kannst du mit unserem Sparplan-Rechner durchspielen.

Was das für dich bedeutet

Wenn du noch nicht investierst: Die Zahlen sprechen nicht dafür, dass du erst noch mehr lernen musst, bevor du anfängst. Sie sprechen dafür, überhaupt anzufangen, und zwar möglichst bald. Einen konkreten ersten Schritt findest du im Bereich Einstieg; wenn die Zurückhaltung eher an der Unsicherheit selbst liegt als am fehlenden Wissen, lohnt sich ein Blick in Mindset.