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Fig. 01 · Mindset

Kann ich beim Investieren alles verlieren?

Theoretisch ja, praktisch so gut wie nie: Ein einzelnes Unternehmen kann pleitegehen, aber ein breit gestreutes Investment über hunderte Unternehmen und einen langen Zeitraum hat historisch zu keinem Totalverlust geführt. Das eigentlich unterschätzte Risiko ist ein anderes: Geld, das einfach auf dem Konto liegt, verliert Jahr für Jahr an Wert, ganz ohne Kursschwankungen.

6 Min · Aktualisiert 10. September 2026

Was theoretisch passieren könnte

Bei einer einzelnen Aktie ist ein Totalverlust real. Geht das Unternehmen pleite, kann dein Kapital komplett weg sein. Genau das ist der Grund, warum „ich habe Aktien von einer einzelnen Firma gekauft" ein völlig anderes Risiko trägt als „ich investiere breit gestreut über einen Indexfonds". Die Angst vor dem Totalverlust ist also nicht unbegründet, sie betrifft nur ein anderes Investment, als die meisten Menschen tatsächlich vorhaben.

Warum ein breit gestreutes Depot so gut wie nie auf null fällt

Investierst du über einen ETF auf den MSCI World, gehört dir gleichzeitig ein kleiner Anteil an über tausend Unternehmen aus rund 20 Industrieländern, aus ganz unterschiedlichen Branchen. Damit dieses Investment auf null fällt, müssten praktisch alle diese Unternehmen gleichzeitig scheitern, ein globaler wirtschaftlicher Totalausfall. Das ist historisch nicht vorgekommen, auch nicht in den schwersten Krisen der letzten Jahrzehnte wie 2008 oder während der Coronapandemie: Die Kurse sind zwischenzeitlich deutlich gefallen, haben sich aber wieder erholt.

Je länger dein Anlagehorizont, desto mehr Zeit hat dein Depot, solche Einbrüche auszugleichen. Genau das kannst du bald für jeden Zeitraum seit 1970 selbst nachsehen: mit unserem Renditedreieck-Rechner, der zeigt, welche Rendite der MSCI World in jedem beliebigen Ein- und Ausstiegszeitraum tatsächlich erzielt hat.

Das unterschätzte Risiko: Geld, das einfach daliegt

Während die Angst vor Kursverlusten viel Raum einnimmt, wird ein anderes Risiko oft übersehen: Geld, das gar nicht investiert ist, verliert trotzdem an Wert, durch Inflation.

Zwischen 2006 und 2025 sind die Verbraucherpreise in Deutschland um rund 50 % gestiegen (Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex). Das bedeutet: Wer 2006 zum Beispiel 10.000 € bar liegen hatte und seitdem nicht angerührt hat, kann sich davon heute nur noch Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 6.700 € kaufen. Ein Kaufkraftverlust von etwa einem Drittel, nur durch Inflation, ganz ohne dass ein einziger Kurs gefallen ist.

Der Unterschied zum Investmentrisiko: Kursverluste sind sichtbar und fühlen sich riskant an. Der Kaufkraftverlust durch Inflation passiert leise, im Hintergrund, aber er trifft praktisch garantiert jeden, der sein Geld nicht arbeiten lässt.

Was das für dich bedeutet

Die realistische Frage ist also nicht „riskiere ich alles, wenn ich investiere?", sondern „was riskiere ich, wenn ich es nicht tue?". Ein breit gestreutes, langfristiges Investment trägt reale, aber historisch begrenzte Schwankungen. Bargeld auf dem Konto trägt ein stilleres, aber sehr verlässliches Risiko: dass es über die Jahre einfach weniger wert wird.