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Das Altersvorsorgedepot einfach erklärt: Was ab 2027 kommt

Das Altersvorsorgedepot ist Deutschlands neue kapitalmarktbasierte Altersvorsorge und startet am 1. Januar 2027. Der Staat fördert bis zu 1.800 € Einzahlung im Jahr: 50 % auf die ersten 360 €, 25 % auf die restlichen 1.440 €, maximal 540 € pro Jahr. Bestehende Riester-Verträge bleiben unverändert bestehen.

11 Min · Aktualisiert 7. September 2026

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein neues, staatlich gefördertes Konto für die private Altersvorsorge. Für Neuverträge löst es die bisherige Riester-Rente durch ein einfacheres, stärker am Kapitalmarkt orientiertes Modell ab. Die Reform wurde am 17. Dezember 2025 vom Bundeskabinett beschlossen, am 27. März 2026 vom Bundestag verabschiedet und am 8. Mai 2026 vom Bundesrat bestätigt. Das Gesetz ist Ende Mai 2026 in Kraft getreten, das Altersvorsorgedepot selbst startet zum 1. Januar 2027.

Der Kerngedanke dahinter: mehr Rendite-Chancen durch echte Kapitalmarktanlage, weniger von den teuren Garantien, die klassische Riester-Verträge über Jahrzehnte unattraktiv gemacht haben.

Die drei Produktvarianten

Zum Start stehen drei Varianten zur Wahl:

  • Ein renditeorientiertes Konto: freie Kapitalmarktanlage ohne Garantie, mit entsprechend höherem Renditepotenzial.
  • Ein staatlich organisiertes Low-Cost-Standardprodukt: eine einfache, kostengünstige Basisvariante für alle, die sich nicht selbst durch Angebote wühlen wollen. Die Kosten sind gesetzlich gedeckelt auf maximal 1,0 % pro Jahr, und dein Geld wird in den letzten Jahren vor Rentenbeginn automatisch in eine risikoärmere Anlage umgeschichtet.
  • Ein Garantieprodukt mit wählbarem Sicherheitsniveau: 80 % oder 100 % Kapitalschutz, für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen.

Das ist eine allgemeine Einordnung, keine Empfehlung für deine individuelle Situation. Welche Variante zu dir passt, hängt von Fragen ab, die nur du beantworten kannst, etwa wie lange dein Geld arbeiten kann und wie du auf Kursschwankungen reagierst.

Wie viel Förderung bekommst du?

Der Staat fördert Einzahlungen bis maximal 1.800 € im Jahr, gestaffelt:

  • Auf die ersten 360 € gibt es 50 % Zuschuss.
  • Auf die restlichen 1.440 € gibt es 25 % Zuschuss.
  • In Summe macht das maximal 540 € staatliche Förderung pro Jahr.

Wichtig: Die 1.800 € sind nicht die Obergrenze für deine Einzahlung, sondern nur der geförderte Teil. Insgesamt darfst du bis zu 6.840 € im Jahr einzahlen, alles darüber hinaus einfach ohne zusätzlichen Zuschuss.

Um überhaupt eine Förderung zu bekommen, musst du mindestens 120 € im Jahr einzahlen, also 10 € im Monat. Du musst also nicht gleich den Höchstbetrag stemmen, damit sich ein Vertrag lohnt.

Für Familien kommt ein Kinderbonus dazu: 100 % Zuschuss auf bis zu 300 € pro Kind und Jahr. Und wer jung ins Berufsleben startet, bekommt einmalig einen Berufseinsteiger-Bonus von 200 €.

Wie wird das Altersvorsorgedepot besteuert?

Während der Ansparphase zahlst du auf Wertsteigerungen und Erträge in deinem Altersvorsorgedepot keine Steuern, dein Geld arbeitet also ungebremst weiter. Besteuert wird erst später, wenn du dir das Geld im Ruhestand auszahlen lässt, mit deinem dann individuellen Steuersatz. Der liegt im Ruhestand bei den meisten Menschen niedriger als während des Erwerbslebens, weil das zu versteuernde Einkommen sinkt.

Was passiert mit deinem alten Riester-Vertrag?

Bestehende Riester-Verträge laufen unverändert weiter, du musst nichts kündigen oder umstellen. Neu abgeschlossen werden kann ab 2027 aber nur noch ein Altersvorsorgedepot. Ob ein Wechsel für dich sinnvoll ist, hängt stark von den Konditionen deines bestehenden Vertrags ab. Dazu bald mehr in einem eigenen Artikel.

Wie kommst du später an dein Geld?

Zu Beginn der Auszahlungsphase hast du die Wahl zwischen zwei Modellen:

  • Eine lebenslange Rente (Leibrente): ein fester monatlicher Betrag, garantiert bis zum Lebensende.
  • Ein Auszahlungsplan: läuft mindestens bis zu deinem 85. Lebensjahr, kann aber auch länger laufen. Noch nicht ausgezahltes Geld darin ist vererbbar, bei der Leibrente ist das nicht der Fall.

Zu Rentenbeginn darfst du dir außerdem einmalig bis zu 30 % deines angesparten Kapitals auf einen Schlag auszahlen lassen, der Rest fließt dann als Rente oder Auszahlungsplan weiter. Bei sehr kleinen Guthaben ist sogar eine vollständige Einmalauszahlung möglich.

Wer bietet das Altersvorsorgedepot bereits an?

Einige Broker haben ihr Angebot schon angekündigt oder bieten es bereits an, darunter Trade Republic, Scalable Capital und ING. Die Konditionen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter, deshalb lohnt sich ein Blick auf Gebühren und Produktvariante, bevor du dich entscheidest. Am unkompliziertesten ist meist der Blick in dein bestehendes Depot: Viele Broker schalten das Altersvorsorgedepot direkt für bestehende Kundinnen frei, sobald sie live gehen.

Falls du dich später umentscheidest, bist du nicht für immer festgelegt: Ab fünf Jahren nach Vertragsabschluss ist ein Anbieterwechsel kostenlos, davor darf der neue Anbieter maximal 150 € Verwaltungspauschale verlangen.

Sollte ich beim Altersvorsorgedepot mitmachen?

Ja, auf jeden Fall. Ein Zuschuss von bis zu 540 € im Jahr wirkt sich über Jahrzehnte sehr stark auf deine Altersvorsorge aus, gerade weil er von Anfang an mitinvestiert wird und mitwächst. Deshalb lohnt es sich, direkt ab 2027 ein Altersvorsorgeprodukt abzuschließen, am einfachsten über deinen bestehenden Broker, falls der das anbietet.

Risiken und was du bedenken solltest

So attraktiv die Förderung ist: Das Altersvorsorgedepot hat auch Kehrseiten, die du kennen solltest, bevor du einzahlst.

Eingeschränkte Flexibilität. Das angesparte Geld ist fest für den Ruhestand gebunden. Zahlst du es dir vorzeitig aus, außerhalb geförderter Zwecke wie einem Immobilienkauf zur Selbstnutzung, gilt das als „förderschädlich". Dann musst du sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen, die du bis dahin bekommen hast.

Kein Kapitalschutz bei der renditeorientierten Variante. Entscheidest du dich für das renditeorientierte Konto, trägst du das volle Kursrisiko. Es gibt keine Garantie, dass am Ende mehr rauskommt, als du eingezahlt hast, auch nicht mit Förderung obendrauf.

Unterschiedliche Kosten je nach Anbieter. Wie bei jedem Kapitalmarktprodukt schmälern Gebühren deine Rendite über die Jahre spürbar. Es lohnt sich, die Kostenstruktur verschiedener Anbieter zu vergleichen, bevor du dich festlegst.

Was das für dich heißt

Wenn du noch keine geförderte private Altersvorsorge hast, ist das Altersvorsorgedepot ab 2027 die naheliegende erste Anlaufstelle: einfacher als Riester, mit echter Förderung, ohne dass du dich durch ein Dickicht an Garantieklauseln kämpfen musst. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald sich Konditionen bei den Anbietern ändern.