Der Zinseszins-Effekt einfach erklärt: Warum der Zeitpunkt wichtiger ist als die Sparrate
Der Zinseszins-Effekt bedeutet, dass du nicht nur auf dein eingezahltes Geld eine Rendite bekommst, sondern auch auf die Rendite, die dein Depot in den Vorjahren schon erzielt hat. Dadurch zählt, wann du anfängst, oft mehr als wie viel du monatlich sparst: zehn Jahre früher starten kann eine deutlich höhere Sparrate später wettmachen.
Was der Zinseszins-Effekt eigentlich macht
Auch ein klassisches Sparbuch verzinst sich Jahr für Jahr, der Zinseszins-Effekt wirkt dort genauso. Der Unterschied liegt in der Rendite: Bei einem Sparbuch liegt sie meist nur bei ein bis zwei Prozent, bei einem Depot mit monatlicher Wiederanlage, wie einem ETF-Sparplan, historisch deutlich höher. Und weil sich der Zinseszins-Effekt über die Zeit potenziert, macht schon ein kleiner Unterschied in der Rendite über Jahrzehnte einen riesigen Unterschied im Ergebnis.
In den ersten Jahren ist der Unterschied kaum spürbar. Über Jahrzehnte wird daraus der größte einzelne Faktor für dein Endkapital, größer als die meisten Entscheidungen, welchen ETF du im Detail wählst.
Ein Rechenbeispiel: zehn Jahre schlagen eine höhere Sparrate
Zwei Frauen legen beide bis 65 Geld in einen ETF-Sparplan mit 7 % Rendite pro Jahr zurück, eine gängige Annahme für einen breit gestreuten Welt-ETF, aber keine Garantie.
Die eine fängt mit 25 an und zahlt 200 € im Monat ein, 40 Jahre lang. Die andere wartet bis 35, zahlt dafür 300 € im Monat ein, 50 % mehr, für 30 Jahre.
Am Ende hat die Spätere sogar mehr eigenes Geld eingezahlt, 108.000 € gegenüber 96.000 €. Trotzdem hat die Frühere mehr auf dem Konto: rund 494.000 € gegenüber rund 351.000 €, ein Unterschied von über 143.000 €. Die zehn Jahre Vorsprung wiegen mehr als die um die Hälfte höhere Sparrate, weil der Zinseszins zehn Jahre länger arbeiten konnte.
Warum das auch mit kleinen Beträgen gilt
Der Effekt hängt dementsprechend nicht hauptsächlich davon ab, wie viel du einzahlst, sondern wie lange dein Geld investiert bleibt. Schon 50 € im Monat werden bei 7 % Rendite über 30 Jahre zu rund 58.000 €, obwohl du selbst nur 18.000 € eingezahlt hast. Wichtiger als ein hoher Betrag ist, überhaupt anzufangen und regelmäßig dabeizubleiben.
Rechne es für dich selbst durch
Diese Beispiele rechnen mit festen Annahmen. Wie stark sich der Zinseszins-Effekt für deine eigene Situation auswirkt, mit deinem Alter, deiner Sparrate und deinem Anlagehorizont, kannst du mit unserem Sparplan-Rechner durchspielen.